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Auf einen Kaffee mit dem Tod
Team FRAU MAIER

Heute hatte ich eine besondere Verabredung.
Ich habe heute den Tod auf einen Kaffee eingeladen.

Er hat die Einladung angenommen.

Da saßen wir nun. An meinem aktuellen Küchentisch. Als ich ihn betrachtete, überlegte ich, was ich ihm gegenüber heute, in diesem Moment, fühle.
So einen Gast hat man ja eher selten zu Besuch. Die meisten von uns bemerken vielleicht manchmal seine Anwesenheit, aber die wenigsten wollen ihn näher kennenlernen.

Das Thema Tod gehört in unserer Gesellschaft zu den Tabus und verursacht vielleicht auch in Dir starkes Unbehagen und die Hoffnung, dass es hier jetzt nicht um irgendwelche Horror Stories geht.
Nein, ich kann Dich beruhigen. Es wird nicht unangenehm. Versprochen. Lies ruhig weiter.

Welche Gefühle kamen also in mir hoch? Hatte ich Angst? Ja, ich gebe zu, ein wenig Angst war zu spüren. Doch eines ist klar: Der Tod gehört zum Leben dazu.
Er ist für mich etwas absolut Natürliches. Weder gut noch böse. Und doch bleibt ein Rest Unsicherheit. Auch bei mir.
Ich fragte ihn, wie ich mich dieser Angst, trotz all dieses Wissens, am besten stellen kann. Seine Antwort überraschte mich, und doch auch wieder nicht. Sie lautete: “Lebe ein glückliches Leben.”

Ich hakte nach: “Das gelingt mir noch nicht immer. Kannst Du mir einen Rat geben, wie ich das am besten umsetzen kann?”
“Lebe Deine Berufung, Deine Träume und finde Erfüllung in Deinem Tun.”
“Wie finde ich heraus, ob ich das jetzt schon tue, oder etwas ändern sollte?”
“Zu Anfang stelle Dir einfach vor, ich wäre jetzt nicht nur zu Besuch, sondern Du würdest mich begleiten.”

Ich schloss die Augen und stellte mir vor, dass dies heute mein Abschied vom Leben wäre.
Ich schaute zurück auf die vergangenen Jahre. Sah auf meine Jugendzeit zurück, erste Lieben, Erwachsenwerden, meine beruflichen Anfänge und Abgänge.
Plötzlich fühlte ich den Ehrgeiz von damals wieder. Diese Betriebsamkeit. Dieses tun, tun, tun. Immer in Bewegung bleiben. Damit die Kohle stimmt. Ich war, wenn man so sagen will, erfolgreich. Wow.

Alles erreicht. Ich war verheiratet und lebte das Leben, von dem viele träumen. Ein Leben, für das sich viele abrackern würden, um da hinzukommen, wo ich war. Noch einmal saß ich in meinem tollen Firmenwagen, betrachtete meinen Kontostand und sah mich, wie ich voller Stolz meine Visitenkarten verteilte. Jeder, der mir begegnete, konnte erkennen, dass ich es “zu etwas gebracht” hatte.
Was andere jedoch nicht sahen, war, wie unglücklich ich in Wahrheit gewesen bin.

Da war wieder dieser Zwiespalt, und dieses Gefühl, wie er mich innerlich manchmal zerriss. Denn hatte ich einerseits doch alles, wovon jeder träumt, Ruhm, Ehre, einen Mann, eine tolle Wohnung, diese Prunkkarre.
So saß ich andererseits oft einfach da und spürte in mir, dass es das nicht ist. Ich fragte mich oft, “Das soll es jetzt gewesen sein?” “Das ist das glückliche Leben, von dem alle reden?”

Dann dachte ich zurück an den Tag, der alles veränderte.
Ja, ich hatte mir ein Herz gefasst. Weil es nicht mehr anders ging. Irgendwann war diese innere Stimme, dieser Ruf so laut, dass ich wusste, so kann es unmöglich weitergehen. Wenn ich ehrlich zu mir war und nicht draußen im Glamour stolzierte, war mir glasklar, wie sinnlos all das ist, was ich da tat. Es erfüllte mich einfach nicht mehr.

Wozu war all das gut, dieser Job, diese Arbeit. Was war der Preis, den ICH dafür zahlte?
Zu diesem Zeitpunkt saß ich verzweifelt, heulend und rauchend auf einer letzten Fahrt in meinem Firmenwagen.
Dann kam das für viele Menschen in meinem Umkreis Unfassbare: Ich kündigte!!
Ich schmiss mein vermeintlich sicheres Leben weg. Denn ich erkannte, dass das nicht mehr mein Leben war. Viel zu lange verfolgte ich das gesellschaftliche Streben nach Anerkennung, Status, Sicherheit und Wohlstand.
Doch wo blieb ich, bei all dem, und was wollte ich eigentlich? Also, ich meine, wirklich?

Ich fühle noch heute diesen nahezu unbändigen Wunsch von damals in mir, herauszufinden, was das sein sollte. Was war für mich bestimmt? Wofür war ich bestimmt? Und vor allem, was erfüllte mich und war der Sinn in meinem Leben.
Ich dachte an die enorme Unsicherheit. Meine Zukunft war nicht mehr vorhersehbar.
Kein Monatsgehalt mehr pünktlich zum 1. auf dem Konto.
Keine Visitenkarten mehr, die ich mir am liebsten auf die Stirn geklebt hätte.
Keine fette Karre mehr, die mein Leben schmückte.

Aber ich erinnerte mich auch an das aufregende Kribbeln. An diese leise Ahnung, die Vorfreude auf das, was jetzt vor mir lag.
Abenteuerlich. Ja, ich fühlte mich plötzlich wieder lebendig. Es fühlte sich so an, als tauschte ich Sicherheit gegen Lebenslust.
Ich war neugierig und spürte, wie mich das Leben rief. Die Welt war plötzlich wieder voller Möglichkeiten, voller unbekannter Wege. Und ich traute mich nun endlich, diese zu erkunden.
Ich folgte der Freude und begegnete der Liebe in Form meines Mannes. Ich war vom Glück geküsst. Erfuhr dieses besondere Geschenk des Lebens: die Geburt meiner geliebten Johanna.

Auch erlebte ich, wie befriedigend es ist, mir Wünsche zu erfüllen. MEINE Wünsche. Ob es nun Reisen sind, oder dieses besondere Haus an diesem besonderen Ort.
Mit den Gedanken an die letzten Jahre, öffnete ich mit einem Lächeln und einer Träne meine Augen und sah dem ebenfalls lächelnden Antlitz des Todes entgegen.
Hatte ich anfangs noch etwas Angst ihm gegenüber verspürt, so erfüllte nun Ruhe und Vertrauen meinen Geist. Und sehr viel Dankbarkeit.
Ich wusste, wenn ich jetzt mit ihm ginge, dann hätte ich so viele glückliche Erinnerungen im Gepäck. Ich hätte mein Leben gelebt. Auf meine Weise. Ich bin glücklich.
Heute lass ich ihn wieder ohne mich weiterziehen. Mit dem Wissen, dass er immer da ist, um mich daran zu erinnern, dass Angst vor dem Tod auch Angst davor ist, sein Leben nicht richtig gelebt zu haben. “Nun,” meinte er auf seine ruhige und höfliche Art, “wie ich sehe, hast Du verstanden, um was es im Leben geht.”

Natürlich war und ist auch bei mir nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Es gab wirklich sehr herausfordernde Zeiten, Phasen und Jahre.
All dies durfte ich auch erleben. Ja, ich DURFTE dies erleben. Denn dadurch bin ich gewachsen. Genau wegen solcher Zeiten habe ich eben auch meine Erfüllung, meine Berufung gefunden.

Ich bin die FRAU MAIER, die Katharina geworden, die anderen Frauen in besonderen Zeiten zur Seite steht, ihre eigenen Herausforderungen zu meistern. Weil ich weiß, dass das auch Leben ist und auf wundersame Weise dahin führt, was für sie bestimmt ist.
Auch wenn man es meist erst im Nachhinein versteht, so hat doch alles immer seinen Sinn. Bewerteten wir etwas zuerst als schlecht, so stellt sich heute auf einmal heraus, dass es absolut wichtig und richtig war. Es ist nicht gut. Es ist nicht böse. Wie der Tod eben.

Kurz bevor er ging, sagte er noch: „Denk dran, das Leben ist zu kurz, um es ernst zu nehmen. Mach Witze, lache über die kleinen Dinge und genieße jeden Moment, solange Du kannst.“
Mit diesen Worten verschwand er im Nebel des Lebens. Ich blieb zurück, noch immer ergriffen über das ungewöhnliche Treffen. Aber eines war sicher: Dieser Kaffee mit dem Tod war mit Sicherheit eine der bereicherndsten Erfahrungen meines Lebens.

PS: Ich hoffe, Dir hat meine kleine Geschichte aus dem Bereich “Was wäre wenn” gefallen.
Vielleicht inspiriert sie Dich ja, auch einmal eine Einladung an jemanden auszusprechen. 😉
Auf einen Kaffee oder Tee. Was würdest Du ihn oder sie fragen?
Wie würdest Du auf Dein Leben schauen? Was wäre DEINE Erkenntnis?

Alles Liebe, Deine

Moderne Stilberatung - FRAU MAIER

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